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+++ Insights vom Glasexperten +++

ESG oder VSG? Die Unterschiede einfach erklärt

Keines der beiden Gläser ist grundsätzlich besser, sie lösen verschiedene Aufgaben. ESG zerfällt beim Bruch in kleine, stumpfkantige Krümel und senkt so das Verletzungsrisiko. VSG hält die Bruchstücke an einer Folie fest, die Scheibe bleibt an Ort und Stelle. Welches Glas eingesetzt werden darf, entscheiden die Einbausituation und die DIN 18008, nicht der Geschmack.
Ein Punkt, der oft untergeht: VSG beschreibt den Verbund mehrerer Scheiben, nicht die Glasart. Ein VSG kann aus Floatglas, aus teilvorgespanntem Glas (TVG) oder aus ESG bestehen, und jeder dieser Aufbauten verhält sich im Bruchfall anders.
Christian Schimmelschmidt Inhaber von ODENWALDGLAS
🗓️ Aktualisiert am 23. September 2026 / 🕖 Lesezeit: 8 min.
Christian Schimmelschmidt, Inhaber, ODENWALDGLAS.
Vergleich von Sicherheitsglas: ESG zerfällt in kleine Krümel, VSG reißt und wird durch eine Folie zusammengehalten.
Derselbe Anstoß, zwei völlig verschiedene Ergebnisse. Genau dieser Unterschied entscheidet, wo welches Glas eingebaut werden darf.

Was ist ESG?

ESG steht für Einscheibensicherheitsglas. Das Glas wird auf etwa 600 bis 650 °C erhitzt und dann kontrolliert und schnell abgekühlt. Dadurch steht die Oberfläche unter Druckspannung und der Kern unter Zugspannung. Diese thermische Vorspannung macht ESG deutlich biegefester und unempfindlicher gegen Temperaturwechsel als normales Floatglas.
Bricht ESG, löst sich die Spannung schlagartig. Die ganze Scheibe zerfällt in viele kleine, meist stumpfkantige Stücke. Schwere Schnittverletzungen sind dadurch deutlich seltener als bei normalem Glas.
Wichtig für die Planung: Nach dem Vorspannen lässt sich ESG nicht mehr zuschneiden, bohren oder mit Ausschnitten versehen. Maße, Bohrungen und Ausschnitte müssen vorher feststehen. Deshalb ist bei maßgefertigtem Glas ein genaues Aufmaß so wichtig.

Spontanbruch bei ESG: Was steckt dahinter?

In seltenen Fällen bricht ESG ohne erkennbaren Grund. Eine mögliche Ursache sind winzige Einschlüsse aus Nickelsulfid (NiS), die sich bei der Herstellung nicht ganz vermeiden lassen. Verändert so ein Einschluss später sein Volumen, entstehen im vorgespannten Glas zusätzliche Spannungen, und die Scheibe kann spontan brechen.

Was ist der Heat-Soak-Test?

Beim Heißlagerungstest (Heat-Soak-Test) werden fertig vorgespannte Scheiben kontrolliert über eine festgelegte Zeit erhitzt. Scheiben mit kritischen Einschlüssen sollen dabei schon in der Prüfung brechen und werden aussortiert. Geprüftes Glas heißt ESG-H.
Der Test senkt das Risiko eines späteren Spontanbruchs erheblich, ganz ausschließen kann er es nicht. Ob ESG-H für eine Verglasung nötig oder sinnvoll ist, hängt von Einbausituation, Glasaufbau und den technischen Anforderungen ab.

Was ist VSG?

VSG steht für Verbundsicherheitsglas. Es besteht aus mindestens zwei Scheiben, die über eine oder mehrere reißfeste Zwischenschichten dauerhaft verbunden sind, meist aus PVB (Polyvinylbutyral). Bricht eine Scheibe, haften die Bruchstücke an der Zwischenschicht. Das nennt man Splitterbindung. Die Verglasung fällt nicht auseinander wie eine einzelne ESG-Scheibe.

VSG ist nicht gleich VSG

VSG sagt nur, dass Scheiben verbunden sind. Aus welchem Glas diese Scheiben bestehen, ist damit noch nicht gesagt. Typische Aufbauten:
  • VSG aus ESG oder ESG-H: Bricht es, zerfallen die Einzelscheiben in kleine ESG-Krümel, die von der Folie zusammengehalten werden.
  • VSG aus TVG: Es bricht in größere Stücke. Im Verbund ergibt das ein günstigeres Resttragverhalten, deshalb wird es zum Beispiel bei bestimmten Überkopf- und konstruktiven Verglasungen eingesetzt.
  • VSG aus Floatglas: Es hat wiederum ein eigenes Bruch- und Resttragverhalten.
Die Aussage „VSG hat immer eine Resttragfähigkeit" stimmt deshalb so nicht. Ob und wie lange eine gebrochene Scheibe noch trägt, hängt von Glasart, Aufbau, Zwischenschicht, Maßen, Lagerung und Konstruktion ab.

Schallschutz, UV-Schutz und der Unterschied zu Isolierglas

Die Zwischenschicht beeinflusst auch Schallschutz und UV-Durchlässigkeit. Für höhere Anforderungen an den Schallschutz gibt es spezielle Akustikfolien.
VSG ist nicht dasselbe wie Isolierglas. Bei VSG sind die Scheiben fest miteinander verbunden. Bei Isolierglas liegt zwischen den Scheiben ein abgeschlossener Zwischenraum. Beides lässt sich kombinieren: Eine oder mehrere Scheiben eines Isolierglases können selbst aus VSG bestehen.

ESG und VSG im direkten Vergleich

MerkmalESGVSG
Aufbauthermisch vorgespannte Einzelscheibemindestens zwei durch Zwischenschicht verbundene Scheiben
Mögliche GlasartenESGz. B. VSG aus Floatglas, TVG oder ESG
Bruchbildviele kleine, überwiegend stumpfkantige Bruchstückeabhängig von den verwendeten Einzelscheiben
Splitterbindungneinja
Verhalten nach Bruchdie Scheibe verliert ihre flächige TragwirkungBruchstücke haften weitgehend an der Zwischenschicht
Resttragverhaltenbei einer einzelnen ESG-Scheibe keine vergleichbare Resttragwirkungabhängig von Aufbau, Glasart, Zwischenschicht und Lagerung
Schallschutzabhängig von Glasdicke und Konstruktiondurch passende Verbundaufbauten verbesserbar
UV-Schutzabhängig vom Glasdurch die Zwischenschicht deutlich beeinflussbar
Bearbeitung nach Herstellungnicht möglichabhängig vom Aufbau, grundsätzlich vor der Fertigung einplanen
Gewichtabhängig von der Glasdickedurch den mehrschichtigen Aufbau meist höher
Preishäufig günstigerdurch den aufwendigeren Aufbau meist höher

Wann welches Sicherheitsglas vorgeschrieben ist

Maßgeblich ist die Normenreihe DIN 18008 „Glas im Bauwesen". Die Bezeichnung ESG oder VSG allein entscheidet dabei nichts. Es kommt auf Einbausituation, Lagerung, Maße, Belastung und die Aufgabe der Verglasung an. Drei Anwendungen sind besonders streng geregelt.
Über Verkehrsflächen zählt, was im Bruchfall passiert, denn es dürfen keine Glasteile herabfallen. Hier kommen geeignete VSG-Aufbauten zum Einsatz.
Auch dabei ist entscheidend, woraus das VSG besteht: VSG aus ESG, aus TVG und aus Floatglas sind technisch nicht gleichwertig und nicht automatisch für dieselben Zwecke zulässig. Den nötigen Aufbau bestimmen die Konstruktion und die DIN 18008.
Übernimmt Glas eine Absturzsicherung, gelten zusätzlich die Anforderungen der DIN 18008-4. Typische Beispiele sind Glasgeländer, französische Balkone, Verglasungen an Treppen und Podesten sowie bodentiefe Verglasungen vor einer Absturzkante.
Die Norm unterscheidet vereinfacht drei Kategorien:
  • Kategorie A: Die Verglasung selbst übernimmt die Absturzsicherung und trägt die horizontalen Lasten ab.
  • Kategorie B: Die Glasscheiben sind Teil einer Konstruktion mit durchgehendem Handlauf.
  • Kategorie C: Das Glas ist Füllung in einem tragenden Geländer.
Welche Glasart und welcher Aufbau zulässig sind, hängt von Kategorie, Lagerung und Ausführung ab. „Absturzsicherung heißt immer VSG" ist deshalb zu pauschal, in bestimmten geregelten Konstruktionen sind auch andere Sicherheitsgläser zulässig. Wir setzen bei Glasgeländern und anderen absturzsichernden Konstruktionen auf geprüfte Systeme mit dem dafür vorgesehenen Glasaufbau.
Für Glasböden, Treppenstufen, Podeste und andere begehbare Verglasungen gilt die DIN 18008-5. Einfach dickeres Sicherheitsglas reicht hier nicht. Begehbares Glas wird als mehrschichtiger Verbund ausgeführt. Aufbau, Maße, Lagerung sowie Trag- und Resttragverhalten werden auf die Anwendung abgestimmt und nachgewiesen. Oft kommt eine obere Schutz- oder Verschleißscheibe dazu.

Welches Glas für welchen Einsatz?

AnwendungTypische AusführungWarum, Regelwerk
Glasduschehäufig ESG, z. B. 8 mmstoß- und temperaturwechselbeständig, verletzungshemmendes Bruchbild, Duschabtrennungen nach DIN EN 14428
Küchenrückwandhäufig ESGtemperaturwechselbeständig, alle Bohrungen und Ausschnitte vor dem Vorspannen
Glastrennwand im Innenraumhäufig ESG oder VSGabhängig von Nutzung, Maßen, Lagerung und Einbausituation, DIN 18008 beachten
Glasgeländersystemabhängiger Sicherheitsglasaufbau, häufig VSGabsturzsichernde Verglasung nach DIN 18008-4
Französischer Balkonsystemabhängiger Sicherheitsglasaufbau, häufig VSGAbsturzsicherung nach DIN 18008-4
Vordach, Überkopfverglasunggeeigneter VSG-Aufbau, häufig aus Floatglas oder TVGSplitterbindung und Resttragverhalten, je nach Lagerung DIN 18008-2 bzw. -3
Begehbares Glas, Glasbodenmehrschichtiger VSG-AufbauTragfähigkeit, Stoßsicherheit und Resttragverhalten nach DIN 18008-5
Die genannten Normen sind ein Auszug. Welche Anforderungen im Einzelfall gelten, hängt von Einbausituation, Lagerung, Maßen und Funktion der Verglasung ab.

Was das für Ihr Projekt bedeutet

Für die meisten Anwendungen im Wohnbereich ist die Sache klar: Für Glasduschen und Küchenrückwände nehmen wir in der Regel ESG.
Bei Überkopf-, absturzsichernden und begehbaren Verglasungen betrachten wir dagegen den ganzen Aufbau zusammen mit der Konstruktion. Diese Fragen klären wir vorher:
  • Wo wird die Scheibe eingebaut?
  • Wie groß ist sie?
  • Wie wird sie gelagert und befestigt?
  • Liegt dahinter eine Absturzkante?
  • Wird sie betreten?
  • Ist es eine senkrechte oder waagerechte Verglasung?
  • Was verlangt das Beschlag- oder Profilsystem?
Erst daraus ergibt sich der passende Glasaufbau. Bei sicherheitsrelevanten Verglasungen wählt man also nicht zuerst das Glas und baut die Konstruktion darum herum. Glas, Befestigung und Einbausituation gehören als ein System zusammen.

Häufig gestellte Fragen zu ESG und VSG

Ist VSG besser als ESG?
Nein, beide erfüllen andere Aufgaben. ESG ist durch die Vorspannung fester und zerfällt in harmlose Krümel. VSG hält die Bruchstücke durch die Zwischenschicht zusammen. Welches besser passt, hängt allein von der Anwendung ab.
Besteht VSG immer aus normalem Floatglas?
Nein. VSG ist der Verbund aus mindestens zwei Scheiben mit Zwischenschicht. Die Scheiben können aus Floatglas, TVG oder ESG bestehen.
Hat VSG immer eine Resttragfähigkeit?
Nein. Die Splitterbindung hat jedes VSG. Wie gut eine gebrochene Scheibe noch trägt, hängt aber von Glasart, Zwischenschicht, Aufbau, Lagerung, Maßen und Konstruktion ab.
Woran erkenne ich ESG oder VSG?
ESG trägt in der Regel einen dauerhaften Stempel mit Hersteller und Produktnorm. VSG erkennen Sie an einer frei sichtbaren Kante oft am mehrschichtigen Aufbau mit der Folie dazwischen. Bei eingebautem Glas lässt sich der genaue Aufbau aber nicht immer sicher mit bloßem Auge bestimmen.
Kann ESG nachträglich gebohrt oder zugeschnitten werden?
Nein. Jede Bearbeitung nach dem Vorspannen stört den Spannungszustand, die Scheibe würde zerspringen. Alle Bohrungen und Ausschnitte werden vorher gefertigt.
Was ist TVG und wie unterscheidet es sich von ESG?
TVG ist teilvorgespanntes Glas. Es wird wie ESG thermisch behandelt, aber mit geringerer Vorspannung. Es bricht in größere Stücke und wird deshalb häufig im VSG eingesetzt, wenn ein bestimmtes Bruch- und Resttragverhalten gefordert ist.
Gibt es VSG aus ESG?
Ja. Dabei werden zwei oder mehr ESG-Scheiben über eine Zwischenschicht verbunden, das kombiniert die Festigkeit von ESG mit der Splitterbindung des Verbunds. Für jede Anwendung passt es trotzdem nicht automatisch, vor allem nicht, wenn ein bestimmtes Resttragverhalten gefordert ist.
Reicht ESG für eine Glastrennwand im Büro?
Oft ja. Bei einer normalen Innenverglasung ohne Absturzkante ist ESG häufig die richtige Wahl. Gibt es eine Absturzkante, besondere Nutzung oder konstruktive Vorgaben, kann ein anderer Aufbau nötig sein.
Modernes Treppengeländer aus rahmenlosem Glas in einem minimalistischen Innenraum mit hellen Fliesen und weißer Wand.

Welches Sicherheitsglas passt zu Ihrem Vorhaben?

Ob ESG, VSG oder ein bestimmter Verbundaufbau, das entscheidet die Einbausituation, nicht der Katalog. Schicken Sie uns Fotos, Pläne und die ungefähren Maße, dann sagen wir Ihnen, welcher Glasaufbau infrage kommt. Von Höchst im Odenwald aus sind wir im Odenwald, im Raum Darmstadt und im gesamten Rhein-Main-Gebiet für Sie unterwegs.
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